Gelys heile Welt

Mainstream/Substream

Gelys heile Welt

Hippies und Punks::::::::Nizagam Ausgabe September Nr.48


Wir befinden uns im Mainstream und schwimmen also alle fleißig mit im Fluss der Gesellschaft.
Die Bosse in der Mitte, ein paar willige Streber daneben und am Rand die "Ottonormalverbraucher". Auch Frauen, alte Menschen und Jugendliche, nicht zu vergessen die Kinder in ihren "rettenden Booten".
Zwischendurch biege ich immer wieder mal in einen Substream  zu den Subkulturen ab und erlebe verschiedene Lifestyle's.
Die ersten Aussteiger, denen ich begegne, sind ein paar Hippies.
Sie strecken mir die Finger, geformt zu einem Peace-Zeichen, entgegen. Einige sitzen im Schneidersitz auf der Wiese und spielen Gitarre. Andere singen dazu und basteln gerade einen Joint. Zwei fröhliche Kleinkinder sind damit beschäftigt Blumen zu pflücken, um dann mit Hilfe eines der langhaarigen Freaks einen Blumenkranz zu binden. Ich ziehe weiter und als nächstes sehe ich ein paar Punks.
Sie geben sich illusionslos und zeigen mit ihrem provozierenden Aussehen und ihrer rebellischen Haltung offene Ablehnung gegen die Gesellschaft. Aus dem Ghettobluster tönt laute Musik mit anarchistischen Texten. Anarchie ist die denkbar radikalste Ablehnung der herrschenden Verhältnisse. Ich verharre und man bietet mir ein Oettinger an, das ich gerne annehme.
Wir unterhalten uns ausgelassen. Und in der ganzen Zeit wurde nicht ein Passant angepöbelt, wie es im Mainstream immer behauptet wird.
Vielmehr merke ich, dass diese Aussteiger, ebenso wie die Hippies wesentlich mehr Lebensfreude haben, als die meisten Leute im Erfolgsfluss.
Dort wird viel geschimpft über Gott und die Welt. Seien es die gestiegenen Spritpreise, der Stress auf der Arbeit oder der Idiot, der einem gerade den Parkplatz vor der Nase weggeschnappt hat.
Kein Wunder: Im Fluss der Gesellschaft ist man gestresst.
Man muß stets uneingeschränkte Leistung bringen, denn wenn diese nachlässt, könnte das für so Manchen den Untergang bedeuten.
Die Leute haben keine Zeit mehr für sich selber, kaum noch Zeit für Familie und Freunde. Keine Freizeit.
Ich behalte mein geregeltes Leben oberflächlich bei, lebe als "innerer Emigrant" und entziehe mich so wenigstens halbwegs den Zwängen des Systems.
Allen Anderen kann ich nur raten, egal wie ihr leben wollt, versucht dabei eure innere Zufriedenheit zu finden.

 

Straßenkünstler:::::::::Oktober Ausgabe Nr. 49

 

Immer wieder biege ich in Substreams ab. Ich ziehe weiter und halte erstaunt vor einem gewaltigen Wasserfall inne.
Schade, dass ich den Künstler, der dieses geniale 3D Kreidebild geschaffen hat, verpasst habe.
Fasziniert begutachte ich das Meisterwerk von allen Seiten. Dabei fällt mir eine Signierung im oberen Eck auf. -Thomas Müller- Welch ein stinknormaler Name für ein solches Genie, denk ich mir...
Irgendwo muß ein Straßenmusiker sein. Ich höre ganz deutlich "Dust in the Wind" von Kansas. Der kann nicht weit weg sein.
Nochmal ein kurzer Blick auf das tolle Kreidebild und ich mache mich wieder auf den Weg. Die Musik wird immer lauter, nach ein paar Metern biege ich ab, und Ja- Ich hatte Recht. Weiter vorn steht ein Typ, bekleidet mit einer Lederflickenhose und einer super bestickten Jacke. Er spielt seine Konzertgitarre und singt dazu "I want to break free"von Queen. Er macht richtig gute Musik. Da fragt man sich:" was soll DSDS?" Der Typ ist 1000mal besser als die Top-Ten im Mainstream...
Ich gehe hin und darf mich dazusetzen. Er ist nicht allein. An der Hauswand stapeln sich Schlaf-und Rucksäcke. Daneben sitzt noch jemand. Ich biete ihm eine Zigarette an und erfahre schon bald: Sein Name ist Thomas. Gleich ist mir klar, dass es sich um jenen Thomas Müller handelt, der um die Ecke dieses Meisterwerk hinterlassen hat.
Mittlerweile ist die Musik verstummt und der Musiker setzt sich zu uns.
Ich höre den Beiden gerne zu. Sie erzählen mir, dass sie auf der Durchreise sind. Vor 3 Jahren hatten sich die Zwei für diese Lebensart entschieden. Beide haben keinen festen Wohnsitz, beziehen kein H4 und ihre einzige Einnahmequelle sind die Gaben (ich darf es nicht Spenden nennen) mit denen sie sich über Wasser halten. "Das sind wahre Emigranten", denk ich mir:" das trauste dich nicht."
Die Gitarrenhülle steht noch geöffnet auf der Erde. 14,38€ in 12 Stunden. Das reicht gerade mal um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Nachtruhe muß wohl im großzügigen Eingangsbereich eines Schuhladens stattfinden. Dort ist beheizt. Aber nicht für zwei frierende Straßenkünstler. Wohl für die nächtlichen Schaufensterbummler. Tsss! Denn um 3 Uhr in der Nacht werden sie unsanft geweckt. Die Buoulizei fährt Streife und verjagt die beiden gefährlichen Männer. Na toll !!
Bei "Wer-kennt-wen" gibt's eine Gruppe "Künstler lässt Hund verhungern". Klar ist ne schlimme Sache. Ich überlege, ob ich bei WKW nicht auch eine Gruppe gründe...Thema: VOLK lässt KÜNSTLER verhungern.

 

"Penner" Nizagam Ausgabe November Nr 50

 

Ungewollt/un-gewohnt

Es schwimmen auch relativ viele Menschen im Mainstream, die "wir" zu Aussteigern gemacht haben.
Sie begegnen uns in unseren Städten, in den schicken Fußgängerzonen, vor Kaufhäusern, in Parks. Jedoch nehmen wir sie nicht wirklich wahr.
Die Menschen, von denen ich rede, sind schlicht gekleidet. Einige haben einen Hund als Begleiter. "Wir" nennen sie : Penner, Säufer, Herumtreiber,- unsere Bürokratie drückt ihnen den Stempel "OFW" (ohne festen Wohnsitz) auf.
"Die sind doch selber schuld!"sagen die meisten.
Das Etikett "selber schuld" mag praktisch sein,-aber Wohnungslosigkeit kann viele Ursachen haben.
Den Einen warf der Tod seiner Frau aus der Bahn. Nach ihrem Krebstod fiel er aus dem Leben und landete auf der Straße.
Ein Anderer wurde als "unerziehbar" abgeschriebener Unglückswurm,- jeweils mit einem Schuhkarton Spielsachen unterm Arm,- von einem Kinderheim zum nächsten verfrachtet.
Wieder ein Anderer verlor erst seine Arbeit, dann die Wohnung. Früher im Tiefbau, ruinierte er seine Knochen. Er hat Probleme mit der Wirbelsäule und seine Nieren sind fast kaputt. Schon oft wurde er auf der Straße überfallen und zusammengeschlagen.
Immer wieder sind es schwere Schicksalsschläge, die diese "Penner" aus dem Leben geworfen haben. Oft am eigenen Körper direkt treffende Schläge, Züchtigungen, physische u. psychische Mißhandlungen, meist schon in frühester Kindheit.
Können wir eigentlich begreifen, was es bedeutet, morgens aufzustehen und nicht zu wissen, wo man am Abend schlafen wird???
Vermögen wir uns vorzustellen, wie sich Obdachlose fühlen, welche Nöte, was für Wünsche und Bedürfnisse sie haben???
Wohl eher nicht! Diese Welt ist für uns ungewohnt. Wieder einmal werden Mit-Menschen vor-ver-urteilt. Wie überheblich und arrogant gehen wir durchs Leben???

Ich möchte hier nicht euer Mitgefühl wecken-
sondern einfach nur, dass ihr künftig nicht mehr auf diese, nicht nur aus der Wohnung, sondern auch aus dem Leben gefallenen MENSCHEN von oben herab anschaut und denkt :"Die sind selber schuld!"
RESPECT THE PEOPLE !!!

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