Gelys heile Welt
NIZAGAM Ausgabe Nr.56 Mai 09

Thanks for Help
Nachdem ich die letzten Wochen stets dazu bewegt wurde meine Pflicht im Mainstream zu erfüllen, bin ich mal wieder an meine Grenzen angelangt.
Es frustriert schon ungemein, die utopisch hoch gesetzten Ziele der Manager erreichen zu müssen. Zum Glück kann ich wenigstens zu Hause ohne Zwänge, Pflichten und Regeln leben, trotzdem zieht
es mich weg. Spontan entscheide ich mich mal wieder 'nen Trip nach Köln zu starten...
Köln HBF- Eine Durchsage:“Sehr verehrte Fahrgäste, auf Gleis 2 befinden sich Taschendiebe. Bitte achten Sie auf ihr Gepäck und behalten Sie Ihre Handtaschen bei sich.....“
Kurz darauf rannten 3 „buntgesträhnte“ Jugendliche im Gewühl auf mich zu. Ich huschte zur Seite, um Ihnen ein Durchkommen zu ermöglichen, und im selben Moment bemerkte ich, dass ich meine Tasche mit
Geldbeutel im Zug vergessen hatte. Etwas ratlos verließ ich das Bahnhofsgebäude in Richtung Dom. Auf der Treppe saßen 2 lebensfroh rumalbernde Jugendliche zwischen Touris und wild
fotografierenden Japanern. Als ich mich näherte stand einer von ihnen auf, steuerte auf mich zu und schnorrte mich an:„Sorry haste'n bischen Kleingeld?“ „Gar nix hab ich“, erwiderte ich mit einem
Grinsen und erzählte ihm von meiner Misere. Das Hilfsangebot kam sofort. Er führte mich mit seinem Freund zum Fundbüro der Bahn. Der tolle elektronische Suchauftrag, den der nette Herr am Schalter
ausfüllte landet in einer zentralen Fundstelle. Die einzelnen Bahnhöfe melden allerdings erst nach 7 Tagen ihre Fundstücke dahin. Solange liegt die Tasche da wo sie gefunden wurde. In irgendeinem
Fundbüro auf der Strecke, dessen Telefonnummer geheim gehalten wird wie die Handynummer von Herrn Mehdorn. Man soll nun immer wieder - am besten täglich diese scheiß Service Hotline mit der netten
kundenfreundlichen 0900 Nummer anrufen. 3 min. Musik zum Minutenpreis von schlappen 0,59 cent. Das ist das Letzte !!!
Aber dank der Einladung meiner beiden Helfer Trash und Benny, sollten meine Tage in Köln (OHNE KOHLE) was ganz besonderes werden. Sie hatten mit Freunden für den Abend ein Essen im Rheinpark geplant.
Dort leben sie zur Zeit unter der Brücke in den Büschen. Es soll Ente geben. (selbst auf dem Rhein abgeworfen), gibt Trash an. Auf dem Weg zum „Camp“, erzählte Benny seine Geschichte. Er kam früh in
eine Pflegefamilie. Die Pflegemama eine Tyrannin, der Papa ein Mitläufer. Mit 16 begann er eine Lehre als Koch, die er bald schmiss.
Miese Bezahlung, Überstunden....und als der Chef mal wieder 'ne Bratpfanne nach ihm warf, weil er ein Essen versaut hatte, brach er die Lehre ab. Zuerst keinen Job mehr, dann keine Wohnung , zur
Pflegefamilie wollte er nicht. So lebt er nun seit 7 Jahren in einer festen Clique von 14 Leuten und 2 Hunden auf der Straße. Das olivgrüne Zelt fiel mir gleich auf als wir an der Zooflora-Brücke
ankamen. Es stand unten am Rheinstrand hinter einem großen Gebüsch.
Abseits. . . Dort lernte ich nun auch die 3 Mädels kennen, die am Bahnhof auf mich zu stürmten. Die 3 spendierten die Getränke.;-) Nach kurzem Aufenthalt war schon sämtlicher Rummel, Hektik,
der ganze Alltagsstress in mir wie verflogen und genau das wollte ich ja erreichen. Weg vom Alltag. Es war ne super schöne Nacht und mit Freude konnte ich mich am nächsten Tag revanchieren. Meine
Tasche war zum Glück in Düsseldorf aufgetaucht und kam mit dem nächsten Zug zurück nach Köln. (...die Herumtreiberin) Lob an die Bahn! Let's Party :-)
Gelys heile Welt

